Geschichte von Mariazell

Vor- und Frühgeschichte von Mariazell:

In vorchristlicher Zeit und im ersten Jahrhundert nach Christus sind im Tal des heutigen Mariazeller Landes keine größeren bzw. geschlossenen Siedlungen nachweisbar. Die Vielzahl der illyrisch – keltischen Berg- und Flussnamen in unserer Region, wie z.B. die Erlaf, geben jedoch Hinweise auf kleinere Siedlungen dieser Volksstämme. Auch dürften den Illyrern und Kelten die Salzquellen im Halltal nicht unbekannt gewesen sein.

Geschichte

Im 16. Jh. v. Chr. war den Römern der Salzweg vom Halltal in das Traisental schon bekannt und einigen Berichten zufolge existierte auch ein Römerweg von Neuhaus kommend über den Zellerrain und die Brunnsteiner Marmorbrüche in unsere Gegend.

Im 6 Jh. n. Chr. nahmen – unter der Herrschaft der Awaren – die Slawen von unserem Land Besitz, siedelten sich in unserer Bergregion an und betrieben hier Ackerbau. Auch hier lässt sich die Verbreitung dieses Volkes wieder aufgrund noch heute existierender Orts- und Bergbezeichnungen nachweisen.

1025 machte Kaiser Konrad II. seiner Schwägerin Beatrix – vermählt mit Adalbero von Eppenstein – Teile der Grafschaft im Mürztale zum Geschenk. Bei der Schenkung handelte es sich um 100 Huben, zu denen auch das Gebiet des späteren Marktes Mariazell gehörte. Langjährige Streitprozesse wurden um diese Schenkung vor dem Reichsgericht und sogar vor dem Papst ausgetragen. Erzbischof Eberhard von Salzburg entschied im Jahre 1151 in der Sache zugunsten des Stiftes St. Lambrecht. Es dürfte schon kurz darauf zur Teilung des Pfarrgebietes Mariazell und der Herrschaft Aflenz gekommen sein. Aus einer Urkunde von Papst Hadrian IV. entnehmen wir das Datum 21. Dezember 1157 – noch heute wird dieser Tag traditionellerweise als Gründungstag von Mariazell gefeiert, auch wenn er historisch nicht belegbar ist.

Die Entstehungs- und Ursprungslegende – der Name “Mariazell”

Im Auftrag des Abtes von St. Lambrecht kam der heiligmäßige Mönch Magnus mit seiner aus Lindenholz geschnitzten Marienstatue am Abend des 21. Dezembers 1157 in die Gegend von Mariazell, um hier als Seelsorger für das ansässige Hirtenvolk zu sorgen. Nahe seinem Ziel versperrte ihm ein Felsen den Weg. Magnus wendete sich hilfesuchend an die Muttergottes und sogleich spaltete sich der Felsen und gab den Weg frei. Am Ziel angekommen, stellte er die Marienstatue auf einen Baumstrunk – der heute noch im Gnadenaltar vorhanden ist – und errichtete darüber eine kleine Holzkapelle, die bald zum geistlichen Mittelpunkt der ganzen Gegend wurde. Aus “Maria in der Zelle” entstand der Name Mariazell.

Die Heinrichslegende

Markgraf Heinrich von Mähren und seine Gemahlin litten bereits längere Zeit so sehr an der Gicht, dass sie bettlägrig wurden. Beide wurden in einem Traum vom Hl. Wenzel aufgefordert, Vertrauen auf Maria zu setzen und nach erhaltener Gesundheit nach Mariazell zu pilgern und dort aus Dankbarkeit eine Kirche zu erbauen. Nachdem sie, geführt durch den Hl. Wenzel oder einen Engel, glücklich Mariazell erreicht und ihre Andacht verrichtet hatten, gaben sie Anweisungen zum Bau einer Kirche und zogen wieder in die Heimat zurück.

Bei dem mährischen Markgrafen handelt es sich sehr wahrscheinlich um Heinrich Wladislaw I. (1197-1222), den Bruder König Ottokars I. von Böhmen.

Die Ludwigslegende

Es versammelten sich an die 80000 “Türken” und andere “Barbarische Völker” aus “Asia und Thracia”, um gegen den christlichen König Ludwig I. von Ungarn in den Kampf zu ziehen. Mit nur 20000 Kämpfern schien ein Sieg gegen die türkische Übermacht aussichtslos. Ludwig wendete sich vertrauensvoll an die “Mutter Gottes Maria zu Zell”, die ihm in einem Traum erschien und ihren Beistand zusicherte. Als er erwachte, entdeckte er das Marienbild, welches er normalerweise immer bei sich hatte auf seiner Brust, obwohl es auf einem kleinen Altar gestanden war. Er erachtete dies als ein Zeichen, in den Kampf zu ziehen. Nachdem er einen großen Sieg über die Türken errungen hatte, zog er mit seinem Heer nach Mariazell und opferte das kostbare, mit Gold und Edelsteinen gezierte Marienbild sowie weitere, wertvolle Gegenstände, alle versehen mit seinem Wappen.

Die Legende basiert auf geschichtlich realer Grundlage: König Ludwig I. regierte in Ungarn von 1342 – 1382, die siegreiche Schlacht ist für den Historiker jedoch nicht leicht festzustellen, die Tradition hält am Jahr 1364 fest.

Die älteste Urkunde, in der der Name Cell erwähnt wird, stammt aus dem Jahre 1243. Herzog Friedrich II. gestattet darin dem Abt von St. Lambrecht, im angrenzenden Aflenztale und in den Besitzungen von Cell über Salz- und Erzgewinne frei verfügen zu dürfen.

Die Markterhebung:

Dem Abt des Stiftes St. Lambrecht , Johannes I. Freiberger, wurde 1342 die Erlaubnis erteilt, auf der Terz oder in Cell einen Markt zu errichten. Man entschied sich für Mariazell, denn hier bestand bereits eine größere Siedlung mit einem religiösen Zentrum. Daher war der Markt auch kein landesfürstlicher, sondern ein grundherrlicher, der dem Abt von St. Lambrecht unterstand.

1344 wurde Mariazell durch Herzog Albrecht II. zum Markt erhoben und erhielt jene Rechte, die der Markt Kindberg im Mürztal hatte. Durch die Verleihung des Marktrechtes wurde den Bürgern gestattet, Handel zu betreiben und Märkte abzuhalten. Es handelte sich um einen Viehmarkt und zwei Jahrmärkte, welche auf eine Dauer von vier Wochen ausgedehnt waren. Vor Beginn der Jahrmärkte wurde auf dem Rathaus die Freyung – ein Arm mit einem Schwert in der Faust – ausgesteckt, als Zeichen, dass zur Marktzeit alle Vergehen besonders streng nach dem Marktrecht geahndet würden.

Von überall her kamen die fremden Händler, bauten nach der Entrichtung einer Standgebühr ihre Marktbuden auf und fingen sofort an, regen Handel zu betreiben. Die räumliche Entwicklung von Mariazell mit dem Hauptplatz und den heute noch bestehenden drei Hauptstraßenzügen kann der Zeit der Markterhebung zugesprochen werden. Die Wiener Straße und Wr. Neustädterstraße verlaufen am Hang der Bürgeralpe von Nordwesten gegen Osten. Getrennt durch den abfallenden Marktplatz mit der Kirche, beginnt am unteren Ende die Grazer Straße und führt bergab in Richtung Gußwerk.