Historisches Gemeindeamt

Das Rathaus:

Das alte Mariazeller Rathaus befand sich am oberen Ende des Marktplatzes. Als Hausbesitzer war um 1756 laut theresianischem Kataster “Die Gmaine Bürgerschaft” eingetragen. Neben der Ratsstube befanden sich im Rathaus auch ein Marktarchiv, die Polizeiarreste, sowie die Wohnungen des Gerichtsdieners und des Gerichtsgehilfen. Im Jahre 1827 vernichtete der Brand in der Allerheiligennacht auch das alte Rathaus mitsamt dem darin befindlichen Archiv. Die Gemeinde verkaufte im darauf folgenden Jahr die Brandstätte und mietete gleichzeitig Räumlichkeiten zur Neuerrichtung einer Ratsstube im Bäckerhaus Feischl an. Aus alten Protokollen geht leider nicht hervor, wie lange sich die märkische Kanzlei in diesem Hause befunden hat, oder ob zwischenzeitlich die Ratsstube in ein anderes Haus übersiedelte. Das Färberhaus in der Grazer Straße beherbergte seit 1832 die Volksschule. Es wurde 1892 – nach Errichtung eines neuen Schulgebäudes – von der Sparkasse übernommen. Wenn nicht schon früher, spätestens zur Zeit der Übernahme durch die Sparkasse befand sich auch das Gemeindeamt in diesem Haus. Die feierliche Eröffnung des noch heute in seiner Funktion bestehenden Rathauses fand am 7. September 1966 statt.

Ämter in der Marktgemeinde:

Eines der wichtigsten Ämter hatte der Marktschreiber inne, der die Protokolle, Verträge und Berichte des Marktrichters verfassen und niederschreiben musste. Der Gerichtsdiener musste die durch den Marktrichter angeordneten Haftbefehle vollziehen. Er hatte auch die Aufsicht bei den Jahrmärkten. Der Marktkämmerer hatte die Geldgeschäfte zu führen und verwaltete die Amtstruhe der Gemeinde. Der märkische Waldforstner – Förster – hatte die Aufsicht über die Wälder und vor allem kontrollierte er die Holzverteilung unter den Mariazeller Bürgern und die damit verbundenen Schlägerungen. Auch das Amt eines Markt-Zimmerers wurde aufgrund der vielen Holzbauten in Mariazell vergeben. Wegen der im Ort befindlichen Spitäler war das Amt des Spittelmeisters und Armenvaters ein notwendiges und sehr wichtiges Amt der Gemeindeverwaltung. Die Marktgemeinde Mariazell beschäftigte zwei Nachtwächter und zwei Ladenwächter, die zu nächtlicher Stunde über den Ort wachten. Das ehemalige Nachtwächterhäuschen ist heute noch im Besitz der Gemeinde Mariazell und befindet sich in der Schießstattgasse. Ein durch die Elektrifizierung ausgestorbenes Amt ist jenes des Laternenanzünders.